KERPEN.Für die SPD-Fraktion im Stadtrat wird es eng. Gestern beendeten die Stadtverordneten David Held und seine Mutter Silvia Franck ihre SPD-Mitgliedschaft und gaben ihren Rücktritt aus der Fraktion bekannt. Held will nun eine eigene Fraktion gründen. „Die Richtung müssen wir erst noch besprechen.“ Nach langer Überlegung sei der Entschluss gefallen, schreibt Held an Fraktionschef Manfred Steinberg.

Es sei ihm mehrfach vonseiten der Fraktion Illoyalität vorgeworfen und immerfort Kritik an seiner Arbeit als Sprecher des Sozialausschusses geübt worden. „Dass diese unsachlich war, wurde von Mitgliedern und der Vorsitzenden im Ausschuss mehrfach klargestellt. Das spielte für Euch keine Rolle, Ihr habt sie weiterhin kolportiert“, schreiben Franck und Held an Steinberg. Gegenüber den seit zwei Jahren währenden Querelen im Ortsverein Brüggen / Balkhausen / Türnich habe sich der Fraktionsvorstand „positiv formuliert gleichgültig“ verhalten. Der Streit im Ortsverein hatte in der Abwahl von Helds Vater Friedrich als Wahlkreisbetreuer und in der Forderung gegipfelt, Franck möge ihr Stadtratsmandat niederlegen. Friedrich Held ist ebenfalls aus der Partei ausgetreten.

„Das können und wollen wir nicht mehr mittragen, da wir beide als Mandatsträger den Menschen in der Stadt Kerpen verpflichtet sind“, heißt es weiter. Seit zwei Jahren seien sie systematisch gemobbt worden. „Wenn die SPD nicht will, dass wir mit ihr Politik machen, dann ist das schade“, so Held. Er dankte ausdrücklich dem Kreisvorsitzenden Guido van den Berg, der sich im Gegensatz zu Steinberg stets bemüht habe, die Wogen zu glätten. Ob mit oder ohne Parteibuch: „Wir werden immer Sozialdemokraten bleiben“, betont Held.

Steinberg sagte: „Die Entscheidung ist die richtige und war überfällig.“ Er bevorzuge eine kleinere Fraktion, die dann aber von Geschlossenheit und Vertrauen geprägt sei. Mehrmals habe er in den Streit eingegriffen, aber das Vertrauen habe gefehlt, um klar für eine Seite Partei zu ergreifen.

Interessant wird es auch im Kreistag. Held will sein Mandat behalten und hofft auf Kooperation mit der SPD-Fraktion - wie die auf den Austritt reagieren wird, ist aber ungewiss. „Ich hoffe auf gesunden Menschenverstand“, sagt Held - sonst wäre er fraktionslos und politisch so gut wie handlungsunfähig.

– Quelle: www.rundschau-online.de ©2007

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